Ganztagsbetreuung an der Struwwelpeterschule in Niederdorfelden

Ganztagsbetreuung an der Struwwelpeterschule in Niederdorfelden

 

Die weitere Entwicklung der Ganztagesbetreuung in Niederdorfelden hat Diskussionen ausgelöst, die neben der Presse und politischen Foren auch intensiv in den Sozialen Medien geführt werden. Die nachstehenden Informationen sollen hier zu einer Klärung dienen: Ausgelöst durch den Antrag der Schulgremien der Struwwelpeterschule in Niederdorfelden sollte die Schule ab dem 01.08.2021 in eine Ganztagesbetreuung im Rahmen des Paktes für den Nachmittag wechseln. Als Betreuungsträger wurde von den Schulgremien die ZKJF gGmbH (Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Main-Kinzig gGmbH) vorgesehen.

 

Die ZKJF ist ein freier Träger der Jugendhilfe, dessen Gesellschafter der Main-Kinzig-Kreis ist. Per Vereinbarung erhielt die ZKJF durch den Kreis den Auftrag, den Aufbau und die Umsetzung des Paktes für den Nachmittag im Kreisgebiet vorzunehmen.

 

Die ZKJF wird stets nachrangig tätig, was bedeutet, dass sie Betreuungsvereinen, die sich mit den Schulgremien auf eine Fortführung des Betreuungsangebotes im Rahmen des Paktes verständigt haben, den Vortritt lässt. In Niederdorfelden soll sie nun aufgrund des im Kreistag beschlossenen Auftrages eine Betreuung als schulisches Angebot aufbauen. Bislang ist die Kinderlobby e.V. dort mit einem Hortangebot etabliert. Hortangebote und die an die Schule angebundene Betreuung im Pakt für den Nachmittag unterscheiden sich weniger in der Betreuung, als vielmehr durch die gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen (siehe Hintergrundinformationen). Da Betreuungsangebote von unterschiedlichen Trägern nicht immer zielführend sind, hat die ZKJF bei den bisherigen Übernahmen mit den Betreuungsvereinen eine Vereinbarung zur Übernahme des Personals und einer Weiterführung bereits bestehender Elternverträge vorgenommen. Aktuell werden zwischen ZKJF gGmbH und der Kinderlobby in Niederdorfelden Verhandlungen geführt, in welcher Form die Angebote der Kinderlobby weitergeführt werden und wie sich ein Übergang gestalten lässt.

 

Wesentliche Aspekte sind hierbei die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten, aus denen sich dann auch die Gruppengrößen und die Gesamtzahl der zu betreuenden Kinder ableiten lassen. Eine Übernahme des Personals zu dessen bestehenden Vertragskonditionen wurde durch die ZKJF gGmbH schon zugesagt. Weiterhin soll es in der Betreuung natürlich für bereits bestehende Elternverträge eine Fortführung durch die ZKJF gGmbH geben. Mit Blick auf den hohen Regelungsbedarf und die bislang noch nicht geklärte Raumsituation gestaltet sich eine Übernahme der Betreuung bis zum Beginn des neuen Schuljahres als schwierig.

 

Kinderlobby und ZKJF gGmbH haben daher eine Absprache getroffen, dass die Kinderlobby ihr Hortangebot in der bestehenden Form noch bis zum 31.07.2022 anbieten wird. Ab dem neuen Schuljahr im August 2021 wird die ZKJF gGmbH durch den jetzigen Anbieter in alle Vertragsangelegenheiten mit eingebunden werden. Die Anmeldungen der Erstklässler für das Schuljahr 2021/2022 erfolgen also noch bei der Kinderlobby e.V., welche dann ab dem 01.08.2022 durch die ZKJF gGmbH  als Betreuungsträger weitergeführt werden. Für die personellen und finanziellen Vereinbarungen besteht damit ein politischer wie auch juristischer Verhandlungsspielraum bis zum Stichtag des 31.07.2022.

 

Sobald die Kinderlobby e.V. und die ZKJF gGmbH eine Vereinbarung abgeschlossen und die Rahmenbedingungen geklärt haben, werden sie die beteiligten Eltern und Mitarbeitenden wie auch die Öffentlichkeit insgesamt über die weitere Vorgehensweise durch Anschreiben, Web-Site-Informationen und mit Elternabenden informieren.

 

Hintergrundinformation:

An den über 70 Grundschulen im Kreisgebiet bestehen aktuell die unterschiedlichsten Betreuungsangebote, die sich in den Betreuungszeiten, den Betreuungstagen ebenso unterscheiden wie in der Zahl und Rechtsform der Betreuungsträger. In dieser Landschaft ist mit Blick auf das Jahr 2025 einiges in Bewegung geraten. Bis dann soll Eltern von Grundschülern bundesweit einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung bis 17:00 Uhr an allen fünf Wochentagen garantiert werden. Bundesmittel wurden hierfür bereitgestellt, die Umsetzung fällt allerdings in die Hoheit der Länder. In der Praxis sind der Umsetzung dieses Anspruches personell wie auch finanziell Grenzen gesetzt. Daher hat sich das Land Hessen für eine Umsetzung des Anspruches im Rahmen des „Paktes für den Nachmittag“ entschlossen. Dieser Pakt sieht vor, dass die Betreuungsleistungen künftig direkt an die Schulen angebunden werden, die Nachmittagsbetreuung also Aufgabe des Schulträgers ist. Darüber haben der Main-Kinzig-Kreis und das Land Hessen 2017 eine Vereinbarung geschlossen. Die Schulleitung, die sich mit ihren Schulgremien für die Einführung eines Betreuungsangebotes im Rahmen des Paktes entschließt, stellt einen entsprechenden Antrag, der durch den Kreistag beschlossen wird.

 

Als Pakt wird diese Form der Ganztagesbetreuung bezeichnet, weil sich die Finanzierung zwischen einem Landeszuschuss, den Elternbeiträgen und einem Finanzierungsbeitrag durch die Standortkommunen bzw. dem Main-Kinzig-Kreis aufteilt. Entgegen anderslautender Meldungen ist die Zeit von 07:30 bis 14:30 Uhr nicht beitragsfrei. Dies ist nur dort der Fall, wo sich ein Beteiligter zu einer Übernahme der Kosten erklärt. Üblicherweise werden die Kosten dieser Betreuung zunächst durch den Schulträger finanziert und über die Kreisschulumlage auf die Kommunen umgelegt. Die gesetzlich geforderten Betreuungsleistungen lassen sich in diesem Modell deutlich kostengünstiger darstellen, als dies bei einem Hortangebot der Fall ist. Während man bei einem Hortangebot mit Kosten von 5.000 – 7.000 Euro pro Kind und Jahr rechnet, lässt sich das Angebot des Paktes für den Nachmittag bei ähnlichem Leistungsangebot mit 1.700 – 2.400 Euro pro Kind und Jahr finanzieren. Dies geschieht zum einen durch die Anbindung an die Schule und das dortige pädagogische Personal sowie durch einen Personalmix, der bei dem Pakt für den Nachmittag auch die Einbindung von angelerntem pädagogischem Personal sowie Vereinen und Ehrenamtlern zulässt. Für die 13 Schulen, die bereits dem Pakt beigetreten sind, verwaltet die ZKJF die Landesmittel und wird dort, wo sie angefordert wird, auch unmittelbar als Betreuungsträger tätig. Dies ist bisher an vier Schulen der Fall, wobei die Schulgremien in Niederdorfelden jetzt ebenfalls die ZKJF als Betreuungsträger angefordert hat. Vor diesem Hintergrund beantwortet sich auch die Frage, ob Kinder aus der Nachbargemeinde Schöneck-Oberdorfelden an dem Betreuungsangebot der ZKJF gGmbH teilhaben können. Da die Betreuung im Pakt ein schulisches Angebot ist, besteht dies unabhängig vom Wohnort ab dem 01.08.2022 für die Kinder, die Schülerinnen und Schüler der Struwwelpeterschule sind.

 

Mit Blick auf die Verschiedenartigkeit der Schullandschaften im Kreisgebiet arbeitet das Kreisschuldezernat aktuell an einer Richtlinie, die für die weitere Einführung des bislang landesweit sehr erfolgreichen Konzeptes „Pakt für den Nachmittag“ entsprechende Anleitungen, Hilfen und Vorgaben bietet.